5 Fragen an Sandra Toth: Interview zu „Das Dorf (Finsterzeit 1)“

Die „Finsterzeit“ beginnt. Am 22. Juni erscheint mit „Das Dorf“ der erste Teil der dystopischen Roman-Trilogie.

Wir haben Autorin Sandra Toth kurz vor der Veröffentlichung zum Interview getroffen und ihr fünf Fragen zum Start ihrer „Finsterzeit“-Trilogie gestellt. Viel Spaß beim Lesen!

FeuerWerke Verlag: Du bist Debüt-Autorin und veröffentlichst mit „Das Dorf“ deinen ersten Roman – den Auftakt der Trilogie „Finsterzeit“. Beschreib‘ doch mal: Was geht gerade in dir vor? Bist du aufgeregt?  

Sandra Toth: Diese Frage ist gar nicht so einfach, obwohl die Antwort aus nur einem Wort bestehen könnte: Alles! Es geht wirklich alles in mir vor und ich glaube ich habe in den letzten Wochen jedes Gefühl erlebt, das ein Mensch haben kann. In dem einen Moment bin ich voller Vorfreude und möchte in die Welt hinausbrüllen, dass mein Buch veröffentlicht wird. Im nächsten Moment packt mich aber die Nervosität so stark, dass ich am liebsten alles in eine Kiste packen würde, die ich dann nie wieder aufmache. Man könnte auch sagen, es sei eine Achterbahn der Gefühle, aber diese Phrase ist mir eigentlich zu oft verwendet worden, doch tatsächlich beschreibt sie am besten, was gerade in mir vor sich geht.

Doch zwischen den Gedanken „Was zur Hölle tust du da?“ und „Oh mein Gott, du hast geschafft, dir einen riesigen Wunsch zu erfüllen!“ überwiegen definitiv die positiven Emotionen. Ich bin dankbar für die vielen schönen Kontakte, die ich in den letzten Wochen knüpfen durfte. Ich freue mich darüber, dass ich mit der Veröffentlichung des Buches einen lang gehegten Traum verwirklichen darf und bin gespannt, wenn ich an all das denke, was jetzt geschehen wird.

Direkt zur nächsten Frage.

Hätte mir damals jemand erzählt, dass diese ersten Zeilen irgendwann Teil einer Trilogie sein würden, hätte ich wahrscheinlich laut gelacht.

Sandra Toth

FeuerWerke Verlag: „Finsterzeit“ zeichnet ein düsteres Dystopie-Szenario nach einem Infarkt des Stromnetzes. Wie bist du auf die Idee für die Handlung gekommen?

Sandra Toth: Als ich angefangen habe zu schreiben, wusste ich selber nicht was mich in dem Buch erwarten würde. Ehrlich gesagt habe ich damals nicht mal geahnt, dass es ein Buch werden würde, geschweige denn eine Trilogie. Geboren aus meiner Leidenschaft für Dystopien und den Überlegungen, wie sich die Menschen in solchen Szenarien entwickeln würden habe ich zwei Protagonisten in eine zerbrochene Welt gesetzt. Alle folgenden Seiten haben mich selber überrascht, jede Wendung kam auch für mich völlig unerwartet. So auch das Thema mit dem Stromausfall. Die Idee kam beim Schreiben auf, floss in das Manuskript und baute sich selbst immer weiter aus.

Vielleicht kam es daher, dass in dem Haus in dem wir damals noch wohnten häufiger der Strom ausgefallen war und ich diese Stunden immer sehr geliebt habe. Kerzenlicht, Stille und das Bewusstwerden davon, wie sehr wir auf Elektrizität angewiesen sind. Ich finde ein Stromausfall zwingt uns dazu, das hektische Leben zu unterbrechen und zwingt uns im Alltagsstress zu mehr Ruhe, da wir nicht ständig erreichbar oder über alles informiert sein können. Natürlich ist dies nicht im Ansatz mit Finsterzeit zu vergleichen, aber ich glaube, dass es etwas war, dass mich unbewusst in diese Richtung gezogen hat, als mein Buch nach einem Grund für die zerbrochene Welt gefordert hat.

FeuerWerke Verlag: Teil 2 und 3 von „Finsterzeit“ sind ebenfalls bereits fertig. Das ist unglaublich viel Arbeit. Wie lang hat der Entstehungsprozess – von der ersten Idee bis zur fertigen Trilogie – gedauert? Gab es Höhen und Tiefen beim Schreiben?

Sandra Toth: Mit dem ersten Teil habe ich 2013 angefangen. Hätte mir damals jemand erzählt, dass diese ersten Zeilen irgendwann Teil einer Trilogie sein würden, hätte ich wahrscheinlich laut gelacht. Zu diesem Zeitpunkt war es eine Spielerei, nur eine Idee. Doch die Gedanken bauten sich auf und in meinem Kopf begann sich die Geschichte zu überschlagen. Und so schrieb ich immer mal wieder weiter, mal mehr und mal weniger.

Als im November 2016 unser Sohn auf die Welt kam, rückte das Schreiben allerdings in den Hintergrund. Als er dann Anfang 2018 zur Tagesmutter ging erstellte ich ein Backup meiner Dateien und stolperte dabei über das Manuskript. Ich musste es sofort lesen und die Geschichte begann wieder in mir zu brennen und ich konnte ab diesem Tag nicht aufhören, in jeder freien Minute daran weiterzuarbeiten. Manchmal schlich ich sogar nachts in mein Arbeitszimmer, weil mich die Ideen nicht losließen.

Irgendwann kam der Moment in dem ich erkannte, dass es ein Buch werden könnte. Ich traute mich, es meinem Mann zu zeigen, meiner besten Freundin und meinen Eltern, die allesamt angetan waren und mich ermutigten, es einem Verlag vorzulegen. Es dauerte noch bis in den Dezember, bis ich mich letztlich getraut habe es Euch einzusenden. Und keine acht Tage später schon bekam ich die positive Antwort. Ab da ging alles ganz schnell: Teil 2 und Teil 3 schrieb ich beide im Jahr 2019 fertig und jetzt, nur wenige Monate danach, stehen wir kurz vor der Veröffentlichung.

FeuerWerke Verlag: Die Corona-Krise zeigt uns gerade eindrucksvoll, dass die Welt und unsere Gesellschaft tatsächlich verwundbar sind. Deine Story könnte also aktueller nicht sein. Hat die derzeitige Weltlage deinen Blick auf deine eigene Geschichte verändert? Ist sie „realer“ geworden?

Sandra Toth: Die Entwicklung unserer Gesellschaft in den letzten Monaten hat mich oft sprachlos gemacht: In den Nachrichten hörte ich von aggressivem Verhalten gegenüber den Menschen, die sich für uns alle täglich der Gefahr des Virus ausgesetzt haben um die Versorgung zu gewährleisten. Wie zum Beispiel die Mitarbeiter der Supermärkte, das Krankenhauspersonal, Polizisten und Co. Ich las in der Zeitung von Schlägereien um Konserven, ausverkaufter Schutzausrüstung oder aufgebrochenen Autos um Toilettenpapier daraus zu entwenden. Und auch persönlich musste ich zusammen mit meinem Sohn eine sehr negative Erfahrung machen: an dem ersten Tag der Kindergartenschließung waren wir gemeinsam einkaufen. Er stand ein wenig verträumt vor dem Regal mit den Nudeln. Eine fremde Frau kam, packte ihn an den Schultern und schubste ihn zur Seite mit den Worten: „Steh nicht so im Weg rum.“. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass er gerade einmal drei Jahre alt ist. Über den weiteren Verlauf der Situation und meiner Reaktion darauf möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen, außer dass es allein einer mutigen jungen Frau geschuldet ist, die mich davor bewahrte mich selbst völlig zu vergessen.

Worauf ich hinaus will ist, dass wir in kleinen Zügen deutlich spüren konnten, wie sich die Menschen durch die Angst zum Negativen verändern, die sich wie ein giftiger Parasit in ihren Köpfen festsetzt und zu irrationalen Handlungen verleitet. So viele da draußen haben nur an sich gedacht und dafür gesorgt, dass es ihnen selbst bloß an nichts fehlen sollte. Aber, und jetzt kommt das, was ich aus diesen Monaten am meisten mitnehme: Wir durften auch an so vielen Stellen das Gute sehen. Ich denke da an die Nachbarin, die für die alte Dame um die Ecke den Einkauf erledigt und diesen vor die Tür stellt. Ich denke an die Regenbögen, die von den Kindern in die Fenster gehangen wurden. An die vielen Wandersteine und Steinschlangen, die vor allen unseren Kleinsten in dieser Zeit des massiven Verzichts oft ein Lächeln schenken konnten.

In Finsterzeit beschäftige ich mich auch mit diesen beiden Seiten. Wir haben Charaktere, die in ihrer Angst, Not oder auch Gier nach Macht zu Scheusalen werden und völlig losgelöst von den Normen und Werten unserer Gesellschaft handeln. Dem gegenüber stehen aber diejenigen, die an dem Guten festhalten und einander Hoffnung und Zuversicht geben können.

Ob die Geschichte dadurch für mich realer geworden ist? Vielleicht ein bisschen. Denn wenn schon die letzten Monate die Menschen in ihrem Zusammenleben hatte derart verändern können, wie würde es erst sein, wenn die Ordnung komplett zusammenbräche?

Die Entwicklung unserer Gesellschaft in den letzten Monaten hat mich oft sprachlos gemacht.

Sandra Toth

FeuerWerke Verlag: Mist, Stromausfall… 😉 Auf welche drei elektronischen Geräte kannst du keinesfalls verzichten?

Sandra Toth: An aller erster Stelle definitiv meine Kaffeemaschine. Ich habe sie Olivia getauft und wir pflegen bei meinem massiven Kaffeekonsum ein sehr inniges Verhältnis.

An zweiter Stelle muss ich leider zugeben: mein Smartphone, auch wenn ich einen Verzicht darauf auf sonderbare Weise zeitgleich als verlockend empfinde.

Und drittens: Darf ich nochmal meine Kaffeemaschine sagen? Sie würde mir wirklich sehr fehlen. Wenn nicht, dann mein Rechner, denn ich im Schreibfluss bin brauche ich die Möglichkeit schnell meinen Gedanken hinterher zu tippen. Handschriftlich bin ich da einfach nicht schnell genug zu.

„Das Dorf (Finsterzeit 1)“ von Sandra Toth erscheint am 22.06.2020.

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